"Das war Papas Lieblingslied" – Wie Angehörige die richtige Musik finden

Veröffentlicht am: 07.02.2026 | Lesezeit: ca. 2 Minuten
"Das war Papas Lieblingslied" – Wie Angehörige die richtige Musik finden

Musik wirkt bei Demenz – das wissen viele Angehörige inzwischen. Doch welche Musik ist die richtige? Und wie findet man sie, wenn der erkrankte Mensch sie nicht mehr selbst benennen kann? Dieser Artikel gibt praktische Orientierung für eine der wichtigsten Fragen in der musikbasierten Alltagsbegleitung.

Warum die richtige Musik so entscheidend ist

Nicht jede Musik wirkt bei jedem Menschen gleich. Was den einen beruhigt, kann den anderen unruhig machen. Was Erinnerungen weckt, hängt von der persönlichen Lebensgeschichte ab – von der Kindheit, der Jugend, besonderen Momenten und Menschen. Deshalb ist die Suche nach der richtigen Musik keine Frage des Geschmacks, sondern eine Form von Biografiearbeit.

Die sogenannte „Reminiszenzphase" – also die Musik, die zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr besonders prägend war – ist oft der stärkste Zugang. In dieser Zeit wird Musik mit starken Emotionen, ersten Verliebtheitserfahrungen, Freundschaften und Aufbruchsgefühlen verknüpft. Diese Verknüpfungen bleiben im Gedächtnis oft länger erhalten als alles andere.


Praktische Wege zur richtigen Playlist

Der erste Schritt ist Recherche – in der Familie und im Umfeld. Fragen Sie Geschwister, alte Freunde oder Nachbarn: Welche Musik lief früher im Haus? Welcher Radiosender wurde gehört? Gab es ein Lieblingstanzlokal, eine Lieblingsband, ein bestimmtes Lied zur Hochzeit?

Alte Fotoalben können helfen. Bilder aus der Jugendzeit, von Festen oder Ausflügen wecken oft Erinnerungen an die Musik, die damals dazugehörte. Fragen Sie ruhig konkret: „Was habt ihr damals gehört, wenn ihr getanzt habt?"

Wenn der erkrankte Mensch noch reagieren kann, testen Sie verschiedene Musikstile und beobachten Sie die Reaktion. Entspannen sich die Schultern? Bewegen sich die Lippen? Öffnen sich die Augen? Diese kleinen Zeichen sagen mehr als Worte.


Was Sie beobachten sollten

Eine Reaktion muss nicht immer positiv sein. Manchmal ruft Musik auch Trauer oder Unruhe hervor – dann ist sie zwar emotional wirksam, aber im Moment vielleicht nicht hilfreich. Notieren Sie, welche Lieder welche Reaktionen auslösen. So entsteht mit der Zeit eine verlässliche, individuelle Playlist – ein echtes Werkzeug für schwierige Situationen.

Ruhige Musik mit einem Tempo von etwa 60–80 Schlägen pro Minute wirkt in der Regel beruhigend. Lebhaftere Stücke können aktivieren und zu Bewegung einladen. Vertraute Texte helfen beim Mitsingen, auch wenn das freie Sprechen längst schwerfällt.


Eine Playlist, die wächst

Die richtige Playlist ist nie fertig – sie wächst und verändert sich. Vielleicht entdecken Sie durch Zufall ein Lied, das eine unerwartete Reaktion auslöst. Vielleicht verändert sich mit dem Krankheitsverlauf, was gut tut. Behandeln Sie die Playlist wie ein lebendiges Dokument.

Und teilen Sie sie: mit Pflegepersonen, mit dem Pflegedienst, mit professionellen Musikbegleitern. Eine gut dokumentierte Musikbiografie ist ein wertvolles Hilfsmittel – für alle, die den erkrankten Menschen begleiten.

Erfahren Sie mehr und stöbern Sie in weiteren Beiträgen unseres Blogs. Zu allen Blog-Einträgen
Was kostet musikalische Begleitung bei Demenz – und wer zahlt dafür?
28.05.2026
Was kostet musikalische Begleitung bei Demenz – und wer zahlt dafür?
Häufige Fragen - Antworten für Angehörige von Menschen mit Demenz
27.05.2026
Häufige Fragen - Antworten für Angehörige von Menschen mit Demenz
Ratgeber für Angehörige: Praktische Hilfe für den Alltag mit Demenz
11.02.2026
Ratgeber für Angehörige: Praktische Hilfe für den Alltag mit Demenz
Therapieansätze bei Demenz: Bewährte Methoden für mehr Lebensqualität
10.02.2026
Therapieansätze bei Demenz: Bewährte Methoden für mehr Lebensqualität
Wissenschaftliche Erkenntnisse: Wie Musik Gedächtnis, Emotionen und Nähe bei Demenz unterstützt
09.02.2026
Wissenschaftliche Erkenntnisse: Wie Musik Gedächtnis, Emotionen und Nähe bei Demenz unterstützt